Mit unbändigem Willen zum Sieg gekämpft

Handball-Bezirksliga: Buchen entscheidet Thriller mit 23:22 für sich und schafft damit Aufstieg in Landesliga

Wenn die altehrwürdige Heimspielstätte des TSV Buchen sprechen könnte, so hätte sie sicher so manche Geschichte oder Anekdote aus den vergangenen Jahrzehnten zu erzählen: von großen Erfolgen, bitteren Niederlagen und packenden Derbyschlachten. Eine weitere sehr erzählenswerte Geschichte kam am vergangenen Samstag hinzu, als eines der wohl dramatischsten Handballspiele der Vereinsgeschichte den TSV Buchen in die Landesliga führte. Eine bis zum letzten Platz gefüllte Sport- und Spielhalle erlebte ein Saisonfinale, das alles an Dramatik und Spannung bot, was auch nur im Entferntesten vorstellbar ist.
Für die Gäste aus Oedheim zählte nur ein Sieg, denn der würde sie zum Meister machen und direkt in die Landesliga Württemberg bringen. Für den TSV Buchen sollte es ebenfalls ein Sieg sein um Platz 3 abzusichern und somit direkt in die Landesliga Nordbaden aufzusteigen.

Mit einer schnellen 2:0-Führung untermauerten die Gäste deutlich ihre Titelambitionen. Buchens junge Gipfelstürmer schienen merklich beeindruckt von der Kulisse und konnten erst nach und nach ihre Nervosität ablegen. Buchens Ausgleich zum 2:2 sollte bis zur 59. Spielminute der letzte bleiben. Oedheim spielte die Partie von vorne weg und zeigte kompromisslosen Handball. Der Lärm, den die drei mitgereisten Oedheimer Fanbusse veranstalteten, erreichte beim Spielstand von 2:6 seinen frühen Höhepunkt. Mit viel Mühe und basierend auf einer stetig besser werdenden Abwehrleistung kämpfte Buchen sich wieder näher heran, doch über ein 9:11 zur Halbzeit kam man nicht hinaus.

Die Worte aus der Halbzeitansprache schienen wie verpufft, als die Kontermaschine der SG Degmarn/Oedheim den Spielstand innerhalb kürzester Zeit auf 9:14 hochschraubte.  Trotz mehrfachen Unterzahlspiels schaffte es der TSV in der Folge, sich mit einer enormen Energieleistung wieder Tor um Tor heranzuarbeiten. Zu verdanken war dies im Besonderen des eigens aus Chicago angereisten Christoph Schmitt, der den sonst überragenden Schlussmann der Oedheimer von der rechten Außenbahn nach Belieben düpierte. Beim 15:17 war man wieder in Schlagdistanz, doch der Anschlusstreffer wollte einfach nicht gelingen. Mit dem 19:22 nach 56 Minuten bereitete man sich im Gästeblock so langsam auf die Meisterschafts-Feierlichkeiten vor und die Zuschauer, die mit Buchen sympathisierten verstummten nach und nach. Nur etwas mehr als ein Dutzend Menschen in der Halle glaubten noch an einen Buchener Sieg – und das waren die Buchener Spieler und Betreuer. Robert Michael leitete dann das große Finale ein und konnte sehenswert zum 20:22 einnetzen, ehe ein der vorentscheidende Strafwurf der Gäste sein Ziel verfehlte. In der darauffolgenden Auszeit brachte Sebastian Wiener die Aufgabe für die verbleibenden 120 Sekunden auf den Punkt: 3 Tore erzielen – keines kassieren. Es folgte ein Akt puren Willens: Zunächst ist es Christoph Schmitt, der mit dem Anschlusstreffer die Hoffnung auf die Wende am Leben hält. Im Gegenzug pariert Fabian Nirmaier und als Philipp Kraft den schnellen Gegenangriff erfolgreich zum 22:22 vollendet, bebt die Halle plötzlich. 40 Sekunden vor Schluss nimmt Oedheims Trainer seine Auszeit und gibt seinen Spielern die letzten Anweisungen mit auf den Weg. Der geplante Spielzug führt zwar zum Abschluss, doch wieder ist es Fabian Nirmaier, der den Ball ins Seitenaus abwehren kann. Auch den zweiten Wurfversuch der Oedheimer entschärft er 13 Sekunden vor Schluss und über Michael und Gremminger findet der Ball irgendwie den Weg zu Simon Röckel, der vier Sekunden vor Ende für die erste Führung der Buchener in der Partie sorgt. Den Rest ist nicht in Worte zu fassen. Grenzenloser Jubel und grenzenlose Enttäuschung standen sich auf dem Spielfeld gegenüber und der Abpfiff ging schon in den Feierlichkeiten der Heimmannschaft unter.

Niedergeschlagene Oedheimer müssen durch diese Niederlage die Meisterschaft im Fernduell dem TV Mosbach überlassen, auf Buchener Seite bedeutet der verteidigte dritte Tabellenplatz den Direktaufstieg in die Landesliga Baden Nord. In seiner Debütsaison als hauptverantwortlicher Trainer schafft Sebastian Wiener damit nach fünf Jahren Abstinenz die Rückkehr auf Landesverbandsebene.

Es spielten und trafen: Nirmaier, Theobald (beide Tor), Weis, Kraus, Weber, Kraft (5) Gremminger (3 Tore/davon 1 Siebenmeter), Michael (1), Klajda (2), Beck, Beuchert (1), Zuzarovski (2), Schmitt (5), Röckel (4).